02.02.2026

Maybritt Vigl bei Olympia

Vom Zufall zur Olympia-Bühne
Maybritt Vigl, geboren 2004, wuchs in Oberinn am Ritten auf. Sport war von Anfang an ein fixer Bestandteil ihres Lebens. Schon als Kind probierte sie viele verschiedene Sportarten aus, darunter auch Kunstturnen. Der Einstieg in den Eisschnelllauf entstand eher zufällig.
Der entscheidende Impuls kam aus der Familie. Ihr Vater, Elmar Vigl, arbeitete damals in der Arena Ritten in Klobenstein und kannte die dortige Eisschnelllauftrainerin Nicola Mayr sehr gut, die später auch Maybritts Trainerin wurde. Auf seinen Vorschlag hin probierte sie den Sport mit etwa zehn Jahren erstmals aus. Besonders faszinierte sie von Anfang an die Herausforderung. „Mir hat gefallen, dass es so anstrengend war“, erinnert sie sich. Heute begeistert sie vor allem die Geschwindigkeit auf den Sprintstrecken. In den Kurven erreicht sie Geschwindigkeiten von bis zu 53 km/h.

Schon früh war ihr Trainingsalltag stark strukturiert. Im Sommer dominierte das Trockentraining: Rennradfahren, Krafttraining und viele spezifische Übungen zur Simulation der Bewegungen auf dem Eis. Im Winter stand sie meist viermal pro Woche auf dem Eis, dazu kamen Wettkämpfe an den Wochenenden. Ein Vorteil war dabei ihr Wohnort – die Trainingsanlagen lagen praktisch vor der Haustür, ebenso wie ihre Schulen bis zur Mittelschule.

Für die Oberschule entschied sie sich für die Sportschule in Sterzing und lebte dort im Heim. In dieser Zeit reduzierte sich zwar die reine Trainingszeit auf dem Eis, der gesamte Trainingsumfang blieb jedoch hoch. Sie trainierte zusätzlich in anderen Sportarten – zunächst im Biathlon, später im Leichtathletikteam. Diese Vielseitigkeit half ihr, eine starke athletische Grundlage aufzubauen. Rückblickend sieht sie diese Phase als sehr wichtig an, weil sie sich nicht zu früh ausschließlich auf den Eisschnelllauf konzentrierte. Auch schulisch wurde sie stark unterstützt. Besonders wichtig war dies in den Wintersaisonen, in denen sie teilweise bis zu zwei Monate wegen Trainingslagern und Wettkämpfen fehlte. Die Sportschule ermöglichte ihr, Unterrichtsstoff und Prüfungen online nachzuholen.

Der Weg in den Leistungssport entwickelte sich Schritt für Schritt. Erste Einberufungen zu nationalen Trainingslagern, internationale Wettkämpfe und erste Erfolge festigten ihren Weg. Ein klarer Kindheitstraum vom Profisport bestand nicht von Anfang an. Vielmehr entwickelte sich dieser mit der Zeit parallel zu sportlichen Erfolgen, internationaler Erfahrung und wachsender Unterstützung im Leistungssportumfeld. Als Angehörige der Sportgruppe der Carabinieri kann sie den Eisschnelllauf heute als Hauptberuf ausüben – ein wichtiger Schritt in einer Randsportart, in der finanzielle Sicherheit oft schwierig ist.

2021 wurde sie erstmals ins Juniorenteam einberufen. In derselben Saison startete sie bei internationalen Junioren-Weltcups und Junioren-Weltmeisterschaften. Kurz danach folgten Einberufungen zu Trainingslagern der A-Gruppe, heute ist sie fixer Bestandteil der italienischen Nationalmannschaft. Mit dem Wechsel wurde auch das Training deutlich strukturierter. Im Sommer trainiert sie aktuell durchschnittlich rund 25 Stunden pro Woche, im Winter etwas weniger.
Ihr persönlicher Durchbruchsmoment war nicht ein Junioren-Weltcup, sondern ihre zweite Junioren-Weltmeisterschaft in Inzell, wo sie im Vierkampf Platz neun erreichte. Ein weiteres Highlight war Platz zwei im Massenstart bei einem Junioren-Weltcup in Japan. Rückschläge blieben dennoch nicht aus: In ihrer ersten Saison nach den Juniorenjahren bremste sie das Pfeiffersche Drüsenfieber aus. In dieser Phase merkte sie, wie stark Trainingsqualität und Wettkampfergebnisse zusammenhängen. Diese Erfahrung führte dazu, dass sie ihre Trainingsdisziplin weiter erhöhte.

Maybritt Vigl gilt heute als Südtirols große Hoffnung im Eisschnelllauf. Bereits im Junioren- und U23-Bereich machte sie international auf sich aufmerksam: Mit einer Medaille im Junioren-Weltcup, zwölf Medaillen im U23-Weltcup und einem Top-10-Ergebnis bei der Europameisterschaft 2026 hat sie ihr Können in den vergangenen Jahren mehrfach unter Beweis gestellt. In dieser Saison bestreitet die Südtirolerin ihre erste reguläre Weltcup-Saison, ihre Leistungskurve zeigt dabei deutlich nach oben. Inzwischen hat sie sich auf die Sprintdistanz über 1000 Meter spezialisiert und ist auf dieser Strecke aktuell die beste Italienerin.
Zudem schreibt sie auch regionale Sportgeschichte: Seit Yvonne Daldossi, die 2018 in Pyeongchang bei Olympischen Spielen startete, ist Vigl die erste Südtirolerin im Eisschnelllauf Long Track bei Olympischen Spielen. Gleichzeitig ist sie nach Nicola Mayr (Salt Lake City 2002) die erste Rittnerin im olympischen Eisschnelllauf.

In dieser Saison – ihrer ersten regulären Weltcup-Saison – war sie für Wettkämpfe unter anderem in den USA, Kanada, Mailand, den Niederlanden und Norwegen unterwegs. Besonders in Erinnerung blieb ihr der Weltcup in Heerenveen. Dort beeindruckten sie vor allem die Atmosphäre und die Unterstützung durch das Publikum. Auch Inzell bleibt emotional wichtig – dort verbindet sie Trainingsalltag mit ihren ersten großen Erfolgen.

Das Thema Olympia war lange präsent, aber nie dominant. Nach der schwierigen Vorsaison konzentrierte sie sich bewusst auf Weltcups statt auf Qualifikationsdruck. Erst nach dem zweiten Weltcup in Calgary erkannte sie ihre realistische Qualifikationschance über 1000 Meter. Die langersehnte offizielle Bestätigung brachte vor allem Erleichterung. Bei den Olympischen Spielen wird sie über 1000 Meter starten, über 500 Meter ist sie Ersatzläuferin. Ihr Ziel ist es, möglichst viel Erfahrung mitzunehmen – sowohl sportlich als auch persönlich. „Allein dabei zu sein, ist schon ein riesiger Erfolg“, sagt sie.

Abseits des Sports sucht sie Ausgleich im Alltag: Spaziergänge mit dem Hund ihrer Oma, Zeit mit Familie und Freunden, Zeichnen, Nähen oder Sport ohne Leistungsdruck. Parallel studiert sie Sport- und Ernährungswissenschaften an einer Online-Hochschule.

Nach Olympia warten noch nationale und internationale Wettkämpfe. Danach plant sie eine kurze Erholungspause – bevor sie sich auf die kommende Saison vorbereitet. Für ihre weitere Karriere hat sie klare Ziele: Sie möchte sich sportlich weiter steigern und ihren Weg im internationalen Eisschnelllauf konsequent fortsetzen.

Eines betont Vigl besonders: Erfolg im Leistungssport ist nie ein Einzelerfolg. „Allein ist es sowieso nicht möglich – zusammen ist es immer besser.“ Familie, Freunde und Unterstützer seien für sie unverzichtbar. Besonders wichtig ist für sie auch weiterhin die Unterstützung ihres ehemaligen Heimvereins mit Trainerin Nicola Mayr.
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