OHNE HELM: Interview mit Mathias Johansson
02.02.2010
Er ist der erste Spieler in der Geschichte von Ritten Sport, der ein Weltmeisterschaftsgold in seinem Lebenslauf vorweisen kann. Mathias Johansson, schwedischer Stürmer in den Diensten des Vizemeisters, hat sich mit seiner umgänglichen Art, seinem sympatischen Wesen und nicht zuletzt mit erstklassigem Eishockey schnell in die Herzen der Rittner Anhänger und seiner Teamkollegen gespielt.
Nachfolgend präsentieren wir Euch ein Interview, welches Mathias vor kurzem mit einem Sportjournalisten einer grossen, schwedischen Eishockeyplattform geführt hat. Viel Spass damit:
NEUES EISHOCKEYLEBEN FÜR MATTE IN ITALIEN
Von Johan Hedlund (Original in schwedischer Sprache)
„Es ist hier anders - Aber mir gefällt es sehr gut“
(Mathias Johansson)
Er sieht die Alpenspitzen von seinem Fenster aus, ihm wird bei der Fahrt zu Auswärtsspielen übel und liegt trotzdem einen Punkt über Durchschnitt pro Spiel. In einem langen Interview mit Färjestads legendärem Mathias Johansson, 35, berichtet dieser über sein neues Hockeyleben in Südtirol Italien und über seinen neuen Club, Ritten Sport Renault Trucks. Mathias Johansson hat mehr Spiele für Färjestads absolviert als irgendein anderer Spieler, 806 Spiele um genau zu sein. Nach der Saison von 2007-2008 war jedoch fertig. Ihm wurde kein neuer Vertrag mehr angeboten. Ein neues Hockeyleben nahm seinen Lauf. Nach Malmoe, Leksland und auch Skaare hat Mathias Johansson sich nun in den Alpen zurechtgefunden.
„Kein Zweifel, das Hockeyleben hier ist gut.“
(Mathias Johansson)
Er wohnt in der kleinen Stadt namens Klobenstein auf fast 1200 Höhenmeter, im deutschsprachigen Raum der italienischen Alpen. Matte listet die Vorteile auf:
„Es ist ein sehr schöner Ort. Ich lebe in einer gemütlichen Wohnung auf zwei Etagen. Es gibt Berge rund um das Dorf und die Aussicht von meiner Wohnung ist fantastisch. Es sind nur zehn Minuten zu den Skipisten, es gibt eine Outdoor-Eisrink und ein sehr schöne Eisbahn, wo mehrere Teams für die Olympischen Spiele trainiert haben. Es gibt absolut keinen Grund zu klagen.“
Aber...
„… es ist klein. Das Dorf hat Tausend Einwohner und wirkt manchmal etwa ausgestorben. Aber zum Glück liegt Bozen gleich in der Nähe, eine Stadt etwas grösser als Karlstad, nur 15-20 Minuten Fahrt dem Berg hinunter. Ist angenehm wenn man ein paar Leute treffen will. Verona, Venedig und Innsbruck (A) haben auch nur kurze Anfahrtsstrecken. Ich bin schon ein paar Mal in Innsbruck gewesen. Es gibt hier viel Sehenswertes. Und Zeit gibt es genügend. Die Mannschaft trainiert immer abends und die Spiele finden nie vor halb neun Abends statt. Jeden Tag um halb acht trainieren wir. Es sind nur wir Ausländer die Ganzzeitprofis sind. Die Einheimischen arbeiten Tagsüber und haben dann natürlich ihre Siesta. Deshalb trainieren wir so spät. Alle Mannschaftsrivalen, außer Vallpellice in Turin (sechs Stunden von hier) sind in einer annehmbaren Entfernung. Die längste Reise dauert zweieinhalb Stunden. Das ist herrlich. Die Busreisen können allerdings der reinste Schreck sein. Anfangs war ich Reisekrank. Die Bus Chauffeure fahren nicht gerade langsam, aber glücklicherweise sind wir meistens in der Dunkelheit unterwegs.
Der Lohn für die Mühe?
Ich kann nicht klagen aber es bleibt nicht viel übrig. Ich habe ja noch das Haus in Schweden. Meine Familie, Frau Nina und Kinder Wille (4,5) und neugeborene Tuva (vier Monate) verbrachten die erste Zeit in Klobenstein mit Mathias. Jetzt sind sie wieder zu Hause in Karlstad. Es war herrlich sie hier zu haben, aber nach einer Weile waren wir der Meinung, dass es am besten für sie wäre, nach Hause zurückzukehren. Es gibt hier nicht so viel zu tun und beinahe niemand im Team hat Kinder und Wille hat nicht viele Spielkameraden. Sie kommen später wieder.
Ist es schwierig nicht bei der neugeborenen Tochter zu sein?
Selbstverständlich. Das war auch ein Grund, warum sich die Ankunft im Herbst verzögerte. Ich wollte warten bis Tuva auf der Welt war.
Bist du mit deiner Mannschaftswahl zufrieden?
Das kann ich wohl sagen, Es ist wie ich es mir vorgestellt habe. Ich fühle mich wohl und meine Mannschaftskameraden sind super. Man sollte jedoch nicht vergessen dass es hier doch eher etwas amateurmässig ist. Es werden keine großen Statistiken erfass; die Zeitschriften berichten ein wenig, sie sind jedoch nie nach einem Match in der Umkleidekabine zu sehen. Und großen Publikumsandrang gibt es auch nicht.
Wie viele Zuschauer gibt es bei einem Heimspiel?
Das kommt ganz auf die Gegner-Mannschaft an. Vielleicht an die 1200. Gewisse Clubs haben nicht mehr als ein paar hundert Zuschauer, während andere mehrere Tausend anziehen. Im Derby gegen Bolzano waren es an die 3000 - 4000 Zuschauer. Verglichen mit der Zeit bei NHL und Fàrjestad ist das ein großer Unterschied. Mathias Johansson hat sich nichts anderes erwartet.
Wie gut ist die Liga?
Unsere Mannschaft ist gut. Die 5 besten Teams in der Liga haben hohes Niveau. Schwierig mit Schweden zu vergleichen, es ist eine andere Art Hockey, aber es macht Spass.
Verglichen mit Allsvenskan?
Ich glaube die 4-5 besten Teams sollten sich schon behaupten, jedoch keinesfalls gegen Toppteams wie Leksand AJK, Vaxjo. Serie A ist stark beeinflusst von kanadischem Hockey. Rittens Haupttrainer Ron Ivany ist Kanadier und weitere drei Spieler des Teams stammen aus dem Hockey "Heimatland".
Mathias Johansson, mit der Nummer 20, hat meist in der zweiten Reihe mit dem Briten Ashley Tait,34, und dem italienischen WM-Spieler Luca Ansoldi,25, gespielt. Der Schwede hat in 17 Spielen 18 Punkte geholt (9+9).
Das ist in Ordnung, Sicherlich hätte es noch besser sein können, aber wichtig ist dass die Klubleitung zufrieden ist - uns das sind sie laut ihrer Aussage. Ritten ist Ligazweiter und bereitet sich auf das Schlussspiel vor, es fehlen noch zehn Spiele. Wir liegen 8 Punkte hinter Pustertal, die werden wahrscheinlich die Serie gewinnen. Wir setzen auf den zweiten Platz. Eine Weile war Ritten auf dem fünften Platz, aber wir sind langsam aufgestiegen. Unsere Fans verlangen einen Finalplatz.
Beinahe wie in Farjestad.
Ja, das Team war die letzten vier Jahre drei Mal Finale. Unser Ziel heuer ist gewinnen.
Ist das möglich?
Ich glaube schon. Wir befinden uns in einer guten Periode. Acht von neun Teams gehen zum Schlusspiel. So lange wir Pustertal ausweichen können ist dies gut, wir treffen sie am liebsten erst im Finale. Bozen hat die letzten zwei Jahre gewonnen und sie werden stärker.
Mathias Johansson nimmt ein Hockeyjahr nach dem anderen. Ob es nach dieser Saison eine Fortsetzung in Italien gibt, oder anderswo, oder ob er mit Hockey abschließt, ist noch nicht bestimmt.
Ich fühle mich wohl und Hockey ist immer noch ungeheuer spannend. Wir werden sehen, über die Zukunft kann ich nichts sagen, Das ist etwas, das sich im Sommer anreift.
Fakten
• Name: Mathias Johansson.
• Alter: 35.
• Position: Center.
• Grösse: 187 centimeter.
• Gewicht: 92 kilo.
Karierehighlight: Der mit den meisten absolvierten Spielen in Färjestads, 4 SM Gold, WM Gold 2006, WM Silber 2003, WM Bronze 2001 und 2002
Clubs in seiner Kariere: Oskarshamn, Grums, Färjestad, Calgary Flames, Pittsburgh Penguins, Malmö, Leksand, Skåre, Ritten Sport.
Übersetzung für Ritten Sport von Patrik Lomsdalen