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Europameister 2015

Wir sind wieder Europameister
21.05.2015
Yoseikan Budo: ein Sport fürs Leben - Die Europameisterschaft 2015
Yoseikan Budo entwickelt und verändert – aber nicht nur körperlich, auch persönlich. Yoseikan Budo ist so etwas wie ein Labor für das Leben. In diesem Labor können Menschen wichtige Lebenskompetenzen durch die Begegnung mit anderen Menschen erleben. Situationen die für den Lebensalltag wichtig sind und an denen Menschen wachsen können, werden im Yoseikan Budo gefördert. Genauso ist es mir heuer bei der Europameisterschaft gegangen. Ich habe dort etwas erlebt, was mich sicherlich um eine Erfahrung reicher macht und ich nicht so schnell vergessen werde. Es sind genau diese Dinge was einen Sport so faszinierend und mitreißend machen – doch vielleicht erzähle ich alles der Reihe nach.
Dass es 2015 eine Europameisterschaft in Bratislava geben wird stand schon seit längerer Zeit fest und dass ich daran teilnehmen möchte auch. Darum war auch die Vorbereitung darauf dementsprechend. Ausdauertraining, Krafttraining und Technik für fünf bis sechs Mal die Woche waren in den letzten 3-4 Monaten keine Seltenheit. Natürlich habe ich mich dabei auf ein bestimmtes Trainingsprogramm berufen und das war kein anderes als jenes, welches mich bereits vor zwei Jahren zum EM Titel in der Schweiz gebracht hat. Zusätzlich haben mich diverse Trainer und Freunde während meiner Vorbereitungsphase sehr intensiv und hochgradig unterstützt. Besonders bei meinem Hauptverein Ritten Sport wurde mir immer geholfen und mir alles ermöglicht, dass ich mich richtig vorbereiten kann. Noch dazu kamen diverse Trainings mit der Nationalmannschaft in Bruneck, Verona und Mailand welche mir sehr weitergeholfen haben.
Als Generalprobe habe ich die Italienmeisterschaften genutzt, welche gleichzeitig auch als Qualifikation für die Europameisterschaft galt. Das Sprungbrett konnte ich dank der Vorbereitung erfolgreich nutzen und durfte somit vom 13. bis zum 17. Mai nach Bratislava in die Slowakei.
Gestartet wurde am Donnerstag 13. Mai zusammen mit der Nationalmannschaft in einem großen Reisebus. Insgesamt waren es 30 Kämpfer – 18 davon aus Südtirol. Nicht alle nahmen an der Europameisterschaft teil sondern hatten sich für den internationalen Grand Prix eingeschrieben.
Am Tag nach der Ankunft war erst mal Sightseeing angesagt und Bratislava hat da echt etwas zu bieten. Besonders der Ausblick vom Citytower war sehr beindruckend und verschaffte einen guten Überblick über die Stadt. Nach dem Mittagessen ging es dann wieder zurück ins Hotel und um 17 Uhr war das Wiegen angesagt. 90 kg war bei mir das Ergebnis – gar nicht mal so schlecht – denn ich fiel sowieso in die Kategorie der Schwergewichte (+85 kg). Während dem Wiegen habe ich mich immer wieder nach potenziellen Gegner umgesehen und so ziemlich jeden – ob Franzose, Schweizer oder Belgier – abgeschätzt ob er in meiner Kategorie kämpfen könnte oder nicht. Bis zum Schluss blieb aber alles offen und ich musste ohne Vorahnung für den nächsten Tag zurück ins Hotel. Es wurde dort nochmals kurz das Wettkampfreglement durchgesprochen und die Teams eingeteilt; dann gings aber auch schon ab ins Bett.
Samstag der 15. Mai - nun würde sich zeigen ob es sich die harte Vorbereitung ausgezahlt hat oder nicht. Das Turnier wurde mit den Einlauf der teilnehmenden Nationen eröffnet: Frankreich, Slowenien, Italien, Schweiz, Belgien, Luxemburg und Spanien waren mit dabei. Nachdem alle Nationalhymnen gespielt und die Grußworte an die Zuschauer und Teilnehmer gerichtet wurden konnten die Kämpfe endlich beginnen. Am Vormittag wurden die Vorausscheidungskämpfe für die am Abend eingeteilten Finals abgehalten. Es wurden heiße Kämpfe gefochten und der eine oder andere blaue Fleck konnte da schon mal vorkommen, aber Yoseikan Budo ist halt nun mal kein Schach.
Es verlief eigentlich alles nach Plan und nach der Mittagspause begann der Grand Prix, der von den Italienern geradezu dominiert wurde. In fast allen Gewichtskategorien behielten die Italiener die Oberhand und schafften Gold. Ich kämpfte dann erst wieder um 17.00 Uhr mit der Mannschaft Italien 1. Im der Kategorie Waffen besiegten wir alle unsere Gegner: die Slowaken, die Franzosen, die Belgier und nicht zuletzt – unsere stärksten Gegner – die Schweizer. Die nächste Goldmedaille, welche schon wieder von Italienern eingeheimst wurde.
Dann war es endlich so weit. Es kam zu den Finalkämpfen in allen Kategorien: zuerst starteten die Damen und dann ging es von den Leichtgewichtlern zu den Schwergewichtlern – ich kämpfte somit den letzten Kampf dieser Europameisterschaft. Für meine Freunde aus der Nationalmannschaft lief es ausgezeichnet – in jeder Kategorie konnten sie ihren Gegner bezwingen und den Titel holen.
Nun war ich an der Reihe. Ich begann mich sehr früh aufzuwärmen und fokussierte mich sehr auf meinen Gegner, weil ich unbedingt ein gutes Ergebnis erzielen wollte. Immer wieder und immer wieder ging ich im Kopf meine einstudierten Schlagkombinationen durch und konnte es kaum mehr erwarten bis ich endlich aufgerufen wurde. Endlich, mein Coach führte mich zum Ring und ich trat meinen Gegner – ein Franzose, 90 kg schwer – entgegen. Als ich ihn anschaute musste ich kurz schlucken – er stand im Traineranzug vor mir. Im selben Moment sprach der Schiedsrichter mir den Sieg zu und meinte wir sollten uns mit einem Händedruck verabschieden. Auf meine Frage wieso er nicht kämpfe meinte mein Gegner dann nur knapp „I’m injured“ (ich bin verletzt).
EUROPAMEISTER – naja, mit einen bitteren Beigeschmack: nicht nur dass die Stunde Aufwärmen für den Finalkampf umsonst war, einen Titel zu holen ohne „richtig“ gekämpft zu haben ist leider nur halb so schön. Da erinnere ich mich voller Wehmut an das Finale vor zwei Jahren als ich im Theatersaal in Visp einen 2,10 Meter und 120 kg schweren, mit Muskeln bepackten Hünen gegenüber gestanden bin und es doch irgendwie geschafft habe mich gegen ihn durchzusetzen und am Ende als Sieger hervorging. Das war damals ein komplett anderes Gefühl.
Aber eben, so ist er der Sport, es gibt manchmal Situationen welche man nicht so haben möchte, die aber trotzdem so sind. Und genau deshalb ist für mich Yoseikan Budo so faszinierend. Eigenschaften wie Mut, Kreativität, Selbstbewusstsein, Engagement, Selbstdisziplin oder Innere Ruhe können in diesem Zusammenhang genannt werden und formulieren wesentliche Elemente der persönlichkeitsbildenden Wirkung des Yoseikan Budo. Durch die Begegnungen und Gegensätze, mit denen ein Yoseikan-Kämpfer beim Ausüben konfrontiert wird, kommen solche Werte zum Vorschein. Anstrengung und Erholung, Angst und Freude, Erfolg und Misserfolg, einfache und komplexe Techniken, Vertrauen schenken und erleben – sind alles Dinge mit denen Yoseikan Budo verbunden werden kann und welche mich davon überzeugen dass dies ein Sport fürs Leben ist.
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